Rülzheim

Land:Deutschland
Bundesland:Rheinland-Pfalz
Kreis:Landkreis Germersheim
Gemeinde:Rülzheim
Postleitzahl:76761
Vorwahl:07272
Einwohner:7.819
Webseite:https://www.ruelzheim.de/
Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/de:Rülzheim

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Rülzheim (Südpfälzisch: Rilze) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Rülzheim, der sie zusätzlich angehört. Der Ort liegt im südpfälzischen Teil der Oberrheinischen Tiefebene, im Dreieck zwischen Germersheim, Wörth am Rhein und Landau in der Pfalz. Im Süden streift der kurz zuvor aufgestaute Rottenbach das Ortsgebiet. Im Südwesten wird Rülzheim von einem ausgedehnten Wald begrenzt. Im Norden der Gemarkung befindet sich eine große landwirtschaftlich genutzte Ebene, die sich in nordwestlicher Richtung bis nach Landau erstreckt. Durch Rülzheim fließt der aus dem Pfälzerwald kommende Klingbach, der über den Michelsbach in den nahe gelegenen Rhein mündet. Zur Gemeinde gehören zusätzlich die Wohnplätze In der Lohe, Katharinenhof und Untermühle. Rülzheim grenzt an folgende Kommunen: Der Jahresniederschlag beträgt 746 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 51 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Niederschlagswerte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,7-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 41 Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert. Die Gegend von Rülzheim ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt und liegt an einem alten Nord-Süd-Verkehrsweg auf dem (überschwemmungssicheren) linken Rhein-Hochufer. Auch aus der Römerzeit lassen sich an der ebenfalls dort entstandenen Römerstraße Siedlungsspuren nachweisen, die auch eine Verbindung zur nahegelegenen, bedeutenden Terra-Sigillata-Industrie im damals Tabernae genannten Rheinzabern herstellen. 2014 erregte ein spätantiker Hortfund (siehe Hortfund von Rülzheim) öffentliche Aufmerksamkeit, da er von einem Raubgräber unter dem Druck von Ermittlungen der Denkmalpflege übergeben wurde. Die illegalen Raubgrabungen haben wertvolle Informationen zu dem Schatz vernichtet. Zudem bleibt unklar, ob Stücke des Schatzes bereits verkauft wurden (vergl. Antikenhehlerei). Der Fund umfasst u. a. goldene Verzierungen eines herrschaftlichen Gewands, Silbergeschirr und Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls. Erstmals wurde der Ort Rülzheim im Jahre 774 als „Rotlehesheim“ im Lorscher Codex erwähnt. Er kann zu den Orten gezählt werden, die bei der fränkischen Landnahme entstanden. Im Mittelalter kam Rülzheim zum Gebiet des Hochstifts Speyer, Herrscher waren die Ritter des Deutschen Ordens. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und dem Frieden von Rijswijk 1697 kam der Ort als Teil des Elsass zu Frankreich und bildete im Oberamt Lauterburg die nördlichste Grenzsiedlung. 1799 war Rültzheim – so die damalige Bezeichnung – in den Kanton Landau und später in Kanton Kandel eingegliedert. Nach der napoleonischen Epoche 1816 kam Rülzheim mit der Region zum bayerischen Rheinkreis. Von 1818 bis 1862 gehörte er dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor. Seit 1939 ist Rülzheim Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Die ehemals stark landwirtschaftlich geprägte Gemeinde (vor allem Anbau von Tabak und Zuckerrüben) erfuhr während dieser Zeit einen starken wirtschaftlichen Aufschwung durch Ansiedlungen von Betrieben der Fertigungs- und der Dienstleistungsbranche. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 der neu gebildeten gleichnamigen Verbandsgemeinde zugeschlagen. Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1871 waren von insgesamt 2898 Einwohnern 86 % katholisch, 14 % jüdisch und neun Personen – 0,3 % – evangelisch. Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 66,7 % römisch-katholisch, 18,0 % evangelisch und 15,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Mit Stand März 2024 waren von den Einwohnern 42,3 % römisch-katholisch, 16,2 % evangelisch und 41,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist demnach seit 2005 gesunken. Der Gemeinderat in Rülzheim besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Aktive = Aktive Bürger e. V. FWG = Freie Wähler Gruppe Rülzheim e. V. Der Ortsbürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde der seit 2006 amtierende Reiner Hör (Aktive Bürger) mit 61,31 Prozent wiedergewählt. Von 2006 bis 2014 war Hör in Personalunion ebenso Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rülzheim. Bei den Kommunalwahlen 2024 wurde Michael Braun (Aktive Bürger) mit 74,1 % der Stimmen zum künftigen Bürgermeister gewählt. Er tritt sein Amt Anfang September bei der konstituierenden Sitzung an. Das Straßenensemble Mittlere Ortsstraße und Neue Landstraße und der jüdische Friedhof sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Letzterer befindet sich außerhalb des Ortes an der Straße nach Herxheimweyher. Auf dem knapp 49 Ar großen Friedhof, der 1826 angelegt wurde, sind noch etwa 420 Grabsteine vorhanden. Hinzu kommen mehrere Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen: Ehemalige Synagoge, erbaut in den Jahren 1832 und 1833 vom Architekten August von Voit; heute „Centrum für Kunst und Kultur“. Pfarrkirche St. Mauritius (Lage) der katholischen Kirchengemeinde in der Ortsmitte. Der älteste Teil der Kirche ist der auf spätgotischem Unterbau errichtete Westturm aus dem Jahr 1498. Das heutige Langhaus wurde 1767 erbaut und später erweitert. Dieterskirchel an der Rheinzaberner Straße. Kirchlein, an dessen Stelle der Heilige Diethardt im Jahre 670 den Tod fand. Der Bau stammt aus dem Jahr 1957 und erinnert an die Wallfahrtskirche von Ronchamp. Christuskirche (Lage) der Protestantischen Kirchengemeinde Rülzheim. Der schlichte Kirchenbau ohne Glockenturm wurde im Jahr 1968 eröffnet. Ehemaliges Schlachthaus (Lage) der jüdischen Gemeinde Rülzheim aus dem Jahr 1843 in der Bachgasse Ehemaliges Bahnhofsgebäude (Lage), ein historistischer Ziegelbau mit großem dreigeschossigen Turm, der ursprünglich als Uhrturm diente. Es ist geprägt von spätklassizistischen und Neorenaissanceelementen. Einziges Naturdenkmal vor Ort ist die Platane auf dem Deutschordensplatz. Rülzheim verfügte über ein Freizeitbad namens „Moby Dick“, das 2002 vollständig renoviert, aber im Dezember 2011 geschlossen wurde. Dazu gehörten unter anderem Sauna, große Wendelrutsche und ein beheiztes Außenbecken mit einer Rutsche. Daneben befinden sich eine Veranstaltungshalle, ein Campingplatz, eine Tennisanlage, die 2007 eröffnete Straußenfarm „Mhou“, ein Streichelzoo, ein Badesee sowie ein Vereinshüttendorf. Seit Oktober 2015 ist in Rülzheim am alten Festwiesengelände eine „Alla-Hopp“-Anlage entstanden. Die Bewegungs- und Spielanlage für jedermann wurde von der Dietmar-Hopp-Stiftung finanziert. Am Waldrand an der Rheinzaberner Straße liegt das Rülzheimer Peter-Becht-Stadion. Durch den Gemeindewald führen etliche ausgewiesene Nordic-Walking-Strecken. Zudem existiert das Freizeithaus „Dampfnudel“ (Lage) aus dem Jahr 1974, das ursprünglich als Freilufthalle mit besonderer Luftkissenüberdachung von der Firma Krupp aus Essen entwickelt wurde. Aufgrund der Ähnlichkeit zur traditionellen pfälzischen Mehlspeise, wurde das Freizeithaus mit der weit sichtbaren weißen Kuppel, mit einem Außendurchmesser von 36 Metern, regional als „Dampfnudel“ bekannt. Vom Frühjahr 2010 bis Herbst 2011 wurde das Gebäude renoviert und das Luftkissendach durch eine starre Konstruktion ersetzt. Rülzheim ist Sitz des Handelsunternehmens MTS MarkenTechnikService, des Heizsystemherstellers DBK David + Baader und des Automobilzulieferers ITK Engineering. Außerdem besitzt das Schweizer Unternehmen Kardex vor Ort eine Niederlassung. Zudem gehört die Gemeinde zum Geschäftsgebiet der VR Bank Südpfalz. Einige Tabaktrockenschuppen (Lage) erinnern an den Tabakanbau des 19. und 20. Jahrhunderts in Rülzheim und Umgebung. Rülzheim ist Namensgeber des sogenannten Rülzheimer Schuppens; dabei handelt es sich um einen langen, etwa drei bis vier Meter hohen Holzschuppen mit einem flachen Satteldach. Dieser Schuppentyp kam in den 1970er Jahren auf; ältere Schuppen waren meist kürzer, aber deutlich höher. Einige Exemplare des Rülzheimer Schuppens haben sich rund 300 m nördlich des Bahnhofs erhalten. Seit Dezember 2010 fährt die Stadtbahn Karlsruhe mit den Stadtbahnlinien S51 und S52 über Rülzheim. Der Ort selbst besitzt mit Rülzheim Bahnhof und Rülzheim Freizeitzentrum zwei Haltepunkte an der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth, die auf voller Länge im Jahr 1876 eröffnet worden war. Ersterer ersetzt seit Ende Dezember 2010 den etwa 250 Meter südwestlich gelegenen ehemaligen Bahnhof. Beide Haltepunkte liegen sowohl im Verbundgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) als auch in dem des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN). Zudem führt die Buslinie 554 durch Rülzheim, die eine Verbindung mit Rheinzabern und Landau in der Pfalz herstellt. Am östlichen Ortsrand verläuft die autobahnähnlich ausgebaute B 9. Rülzheim ist mit zwei Anschlüssen Rülzheim Nord und Rülzheim Süd an die Schnellstraße angebunden. Die A 65 befindet sich zirka neun Kilometer westlich von Rülzheim und ist über die Landesstraße 493, die den Ort mit Vorderweidenthal und Hördt verbindet, zu erreichen. Die nächstgelegene Anschlussstelle ist Rohrbach. Die Landesstraße 540 führt in Nord-Süd-Richtung mitten durch die Gemeinde und verbindet diese mit Neustadt an der Weinstraße sowie Berg. Von dieser zweigt die Landesstraße 553 nach Leimersheim ab. Als Sitz einer Verbandsgemeinde beherbergt Rülzheim auch deren Verwaltung. Zu dieser Verbandsgemeinde gehören neben Rülzheim auch Hördt, Kuhardt und Leimersheim. In Rülzheim befinden sich neben vier Kindergärten eine Grundschule und die Integrierte Gesamtschule Rülzheim, die ab Herbst 2015 eine gymnasiale Oberstufe eingeführt hat. Außerdem verfügt der Ort über eine katholische öffentliche Bücherei. Darüber hinaus hat die Stiftung für Ökologie und Demokratie ihren Sitz in der Gemeinde. Rülzheim verfügt über eigene Gemeindewerke, die als Energieversorgungsunternehmen die Netzgebiete Rülzheim und Hördt abdecken. Außerdem gibt es in Rülzheim eine Fernwärmeversorgung mit eigenen Blockheizkraftwerken, die als Modellprojekt der Bundesrepublik Deutschland vom damaligen Bürgermeister Helmut Braun, der vorher als Oberingenieur bei ABB gearbeitet hat, konzipiert und umgesetzt wurde. Vor Ort befindet sich die 1981 eingeweihte PWV-Vereinshütte Rülzheim. Außerdem ist Rülzheim Endpunkt des zu den sogenannten Saar-Rhein Wanderwegen zählenden Weges mit der Kennzeichnung Schwarzer Punkt auf weißem Balken und eines solchen, der mit einem gelb-roten Balken markiert ist und im Wellbachtal seinen Ausgangspunkt nimmt. Durch die Gemeinde verläuft außerdem die Südroute der Pfälzer Jakobswege. 1926: Adam Hiller (* 19. Januar 1882, † 20. März 1957), katholischer Pfarrer 1948: Jakob Harder (* 31. Mai 1881, † 23. Juli 1954), Bürgermeister von 1923 bis 1927, 1929 bis 1933 und 1946 bis 1948 1970, 4. Juli: Robert Seither (* 8. Juni 1902, † 21. Juli 1985), Bürgermeister 1948 bis 1965 1970, 4. Juli: Albert Wetzel (* 17. Mai 1915, † 4. April 1980), Pfarrer 1984, 8. Juni: Hans Kaufmann (* 8. Juli 1919, † 16. Oktober 2001), Kommunalpolitiker, Fastnachter und Festspielautor 1993, Januar: Helmut Braun (* 19. Januar 1928, † 25. März 1994), Verbandsbürgermeister und Bürgermeister 1966 bis 1991, ehemaliger Oberingenieur von ABB und mehrfacher Patentbesitzer 1993, 28. März: Schwester Katharina, geborene Katharina Rutz (* 2. Juni 1910, † 23. März 2002) 2010, 28. November: Karl Werner Geeck (* 26. November 1941), ehemaliger Schulleiter der IGS Rülzheim und Schriftsteller 2022, September: Richard Dörzapf (* 1937), aufgrund seines herausragenden sozialen Wirkens Otto Huber MFSC (1871–1954), Comboni-Missionar und Missionspionier in Nordafrika Adolf Wolff (1910–1998), Tierarzt Pia Nordblom (* 1961), Historikerin Udo Bentz (* 1967), katholischer Geistlicher, Erzbischof von Paderborn Gunter Arentzen (* 1972), Schriftsteller, lebte zeitweise in Rülzheim Joseph Alois Bach (1838–1912), päpstlicher Offizier, Komtur des Piusordens und kaiserlich-deutscher Rechnungsrat, wuchs in Rülzheim auf. Mario Brandenburg (* 1983), Bundestagsabgeordneter (FDP) Fritz Brechtel (* 1955), Landrat für den Landkreis Germersheim, saß zeitweise im Ortsgemeinderat. Patrick Brechtel (* 1983), spielte zeitweise beim örtlichen Fußballverein. Werner Brand (1933–2021), Maler und Grafiker, lebte in Rülzheim. Carl von Hannig (gefallen am 17. Mai 1793 bei Rülzheim), k.k. Rittmeister im Dragonerregiment Modena Andreas Helmling (1959–2019), Bildhauer und Designer mehrerer Skulpturen in Rülzheim (1994–2006) Thomas Hengen (* 1974), Fußballspieler, begann seine Karriere beim SV Rülzheim Theodard von Maastricht, erschlagen am 10. September 670 am Dieterskirchel in Rülzheim. Hans-Joachim Ritter (* 1949), Politiker (ÖDP), ÖDP-Bundesvorsitzender von 1989 bis 1993, Vorsitzender der Stiftung für Ökologie und Demokratie, wohnt in Rülzheim. Alfons Schmidt (1904–2000), Pädagoge und Restaurator, war Lehrer in Rülzheim Ortsgemeinde Rülzheim Gemeindewerke Rülzheim Literatur über Rülzheim in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie Stadtpläne und Landkarten vom Stadtplandienst helfen Ihnen dabei, sich in Rülzheim zu orientieren. Sie können die Karten im Internet aufrufen und sich interessante Orte von Rülzheim anzeigen lassen, wie z. B. Sehenswürdigkeiten oder auch Tankstellen, Geldautomaten, Imbisse usw. Ausgedruckt können Sie den Stadtplan von Rülzheim auch offline nutzen.

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